Dienstag, 04 Juni 2013 05:41

Die seltsame Berufung des Mr Heming

Schlüsselerlebnis

Makler sind wohl für die meisten von uns eher keine besonderen Sympathieträger. Schade, da kennen Sie wohl Mr Heming noch nicht, unauffällig, aber durchaus nicht wirkungslos auf Damen, der gerne mal in der Nachbarschaft aushilft, wenn es um kleinere Reparaturen, Umzugsdienste und Spenden geht, aber auch immer wieder den Leuten, die es nicht anders verdient haben (beispielsweise unwirschen Hundebesitzern) einen kleinen Denkzettel verpaßt. Deutlich erleichert wird seine tägliche Mission dadurch, daß er für jedes Objekt, das er jemals veräußert hat, einen Nachschlüssel besitzt. Wahrgenommen wird der routinierte heimliche Gast dank jahrzehntelanger Erfahrung praktisch nie, als er doch einmal bemerkt wird, hat das notgedrungen fatale Folgen, noch dazu, wenn es um eine schöne Frau und ihren groben Geliebten geht.

Eloquent und freimütig erzählt Mr Heming uns, welche dramatischen Ereignisse seine Karriere, Schulzeit und vor allem seine Kindheit bestimmt haben.

Wie Hitchcock und Hornby, spannend und schwarzhumorig, dabei weitaus origineller, besser beobachtet und vorstellbarer als der typische Thrillerkram, doch (sagen wir fast) ohne Blutvergießen. Nun fangen Sie doch endlich an zu lesen oder möchten Sie doch lieber noch einmal im Schrank nachschauen?

Phil Hogan: Die seltsame Berufung des Mr Heming, Kein & Aber Verlag

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Dienstag, 04 Juni 2013 05:40

Die Kinder der Elefantenhüter

Prima aus Dänemark – eine philosophische Reise

Auf der Insel Finø im Skagerrak, dem „Meer der Möglichkeiten“, lebt Peter mit seiner Familie: Der Vater ist der Pastor der dänischen Insel, die Mutter hilft als versierte Bastlerin ihrem Gatten bei der Simulation biblischer Wunder (was doch etwas am kindlichen Urvertrauen in die Eltern gerüttelt hat), aber letztlich geht es doch vor allem um seine Schwester Tilte mit einer hohen sozialen Kompetenz und therapeutischer Ader. Als die Kinder ihren großen Bruder Hans in Kopenhagen besuchen, der in den Ferien als Droschkenkutscher für Touristen jobbt, klingelt das Handy. Auf dem Display steht der Name einer Bezirkspolitikerin, was selten Gutes verheißt. Tilte, Peter und Hans müssen erfahren, daß ihre Eltern offenbar von der Polizei beobachtet wurden und nun quasi vom Radar verschwunden sind. Angeblich zu ihrem eigenen Schutz sollen sich die Kinder nun in Untersuchungshaft begeben. Nun häufen sich die Fragen: Wie können sich Tilte und Peter dem langen Arm des Gesetzes entziehen, wo befinden sich ihre Eltern und was hat das bastelfreudige Pastorenpaar vor?

Auch wem die „Smilla“ zu kriminell und die anderen Romane des dänischen Bestsellerautors zu düster waren, kommt hier auf seine Kosten: Sanft schlägt im Herz dieses liebevoll, aber ironisch erzählten philosophischen Romans ein Krimiherz um die Handlung voranzutreiben, was Krimiverächtern nicht auffällt (es funktioniert eben auch ohne Mord und Totschlag), aber im Grunde geht es um mehr: Liebe, Geschwister, Tod, Religion und Fußball! Auf nach Finø!

Peter Høeg: Die Kinder des Elefantenhüters, Rowohlt TB

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Montag, 03 Juni 2013 06:14

Gondwana

Mord auf der besten aller möglichen Inseln

Auf Gondwana, einer tropischen Insel mit wohlselektierten Einwohnern, leben evangelische und katholische Christen, Juden und Moslems harmonisch zusammen – Friede, Freude, Avocados, bis eines Tages ein grausamer Mord geschieht. Schnell wird Platon Ahorn eingeflogen, um das geheimgehaltene Verbrechen aufzuklären, dem zynischen Religionsverächter wird die Arbeit durch eine abwesende Leiche und einen blitzsauberen Tatort nicht gerade erleichtert und er fragt sich, welche Rolle die attraktive Jane mit den Cowboystiefeln unter der Designerburka spielt.

Ein religionskritischer Hard-boiled-Krimi mit Comicsequenzen, allerdings in der zweiten Hälfte stark abgedreht von Simon Urban, Autor der DDR-Satire „Plan D“.

Simon Urban: Gondwana, Schöffling & Co Verlag, 2014.

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Montag, 03 Juni 2013 06:14

Ein seltsamer Ort zum Sterben

Integration heißt gebraucht werden

Sheldon Horowitz hat ein Integrationsproblem. Im hohen Alter ist er zu seiner Enkelin nach Oslo gezogen: Nach dem Tod seiner Frau ist Rhea seine einzige lebende Verwandte, sein Sohn war vor Jahrzehnten im Vietnamkrieg gestorben und der alte Scharfschütze weiß nichts mit sich anzufangen. Schlagartig ändert sich das, als Freischärler aus dem Balkan in die Nachbarwohnung eindringen. Zwar gelingt es dem Ex-Marine nicht mehr die Nachbarin zu retten, schafft es aber, ihren Sohn in Sicherheit zu bringen und eine wilde Jagd beginnt. Ein letztes Mal kann der alte Kämpfer die Erfahrung seines ganzen Lebens einsetzen.

Ein Amerikaner in Norwegen, das trifft auch auf den Autor zu, der diese ironische Auseinandersetzung mit Alter und Tod zwischen skandinavischem Roman und Eastwoods Spätwerk geschaffen hat, schneller Krimi und weises Kino zugleich.

Derek B. Miller Ein seltsamer Ort zum sterben, rororo

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Montag, 03 Juni 2013 06:14

Männer mit Erfahrung

Immer Ärger mit Blackway

Lilian hat ein Problem - Blackway: Offensichtlich war er es, der ihre Katze umgebracht, ihr Autofenster eingeworfen und ihren Freund in die Flucht geschlagen hat – aber sie möchte in Vermont bleiben.

Wie Sie sich als KennerIn der Materie längst gedacht haben, kann der Sheriff ohne Beweise nichts unternehmen, aber einen guten Rat gibt er Lilian doch auf den Weg mit.

Als sie sich im alten Sägewerk, dem Treffpunkt für weitestgehend unbeschäftigte Männer nach dem empfohlenen Problemlöser Scotty erkundigt, müssen die Jungs passen. Widerwillig nimmt sie die Hilfe von Nate (The Great) und Lester in Anspruch – aber kann das seltsame Team aus einem sanften Riesen „intelligenter als ein Pferd, aber nicht so intelligent wie ein Traktor“ und einem uralten Rentner mit schwerem Gepäck ihr wirklich helfen?

Literarisch erzählter und mit (überwiegend) liebenswerten Charakteren angefüllter knapper Thriller, für alle die keine Kurzgeschichten mögen, aber gerade keine Zeit für ein Krimiepos haben. Hoffentlich streiten sich die Coen-Brüder mit Tarantino um die Filmrechte!

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