Delfine im Teich?

Zu recht verschaukelt fühlen sich Matti und Sami, als sich die in der Zeitung angekündigten Delfine als mittelmäßiger Aprilscherz herausstellen, Matti kann seinem kleinen Bruder aber die Laune wieder aufhellen und den „Fehler im Universum“ korrigieren, indem die beiden Holzdelphine im örtlichen Teich aussetzen. Leider lassen sich nicht alle Probleme so elegant lösen: Obwohl ihr Vater ein Finne ist – wortkarg programmiert der Busfahrer in seinem stillen Kämmerlein kettenrauchend Handyspiele – war die Familie noch nie in Finnland und weil die Mutter als Arzthelferin auch nicht allzugut verdient, wird sich das wohl vorerst auch nicht ändern. Spätestens als Papas Bruder zu Besuch kommt, um von seinem beruflichen Aufstieg in der Heimat zu berichten, beschließt Matti bei der Familienreise nachzuhelfen. Als er den Gewinn eines Häuschens in Finnland vortäuscht, nimmt das Chaos seinen Lauf …

In diesem lustigen und dialogreichen Buch nimmt Salah Naoura, der freundliche Berliner Autor und Übersetzer, die Eltern beim Wort und zeigt den Kindern auch, welche Tricks und Notlügen Erwachsene einsetzen, was für die Leser von ca. acht bis dreizehn bestimmt sehr lehrreich ist – und für alle Älteren ziemlich entlarvend. Wiederholte Lektüre – und niemand wird dieses hervorragende Kinderbuch nur einmal lesen – oder das Anhören der Hörbuchfassung führt außerdem dazu, daß sich Mattis Finnlandsehnsucht auf die Leserin/den Leser überträgt und wenn es doch mal dorthin geht, lernen wir sogar daraus die ersten Vokabeln – Kiitos, Salah Naoura (Danke!).

Salah Naoura: Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums, Gulliver Taschenbuch, Beltz EUR 6,95, Leseprobe


Hörbuch gelesen von Martin Baltscheit bei der Hörcompany, EUR 14,95, Hörprobe 

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Publiziert in Was wir lesen
Dienstag, 04 Juni 2013 05:40

Auf der richtigen Seite

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu unterqueren.

Alles hat sich verändert, seit Joshuas Vater tot ist, seit seine Mutter Liev kennengelernt hat, leben sie nicht mehr im Häuschen am Meer, sondern in der sauberen, aber öden Siedlung Amarias, von einer Mauer umgeben und nur durch einen Checkpoint zu verlassen.

Als sein einziger Spielkamerad David den Fußball über einen Bauzaun schießt, klettert Joshua hinüber und entdeckt dahinter ein Haus, das offenbar mit allen Einrichtungsgegenständen planiert wurde, und einen Tunnel. Joshua lässt seinen Ball liegen und klettert in den Tunnel, der ihn in eine unbekannte Stadt jenseits der Mauer führt.

Dort merken die Jugendlichen sofort, daß er nicht dazugehört und verfolgen ihn wütend. Als er sich hinter einem Motorrad versteckt, macht er sich kaum Hoffnungen unentdeckt zu bleiben, als ihm unerwartet ein Mädchen hilft. Sie schickt seine Verfolger in die Irre und führt Joshua wieder zum Tunnel zurück, getarnt mit dem Kopftuch ihres Vaters. Zurück auf seiner Seite fällt ihm auf, daß er ihr das Tuch nicht zurückgegeben hat. Nicht nur deshalb plant er, erneut durch den Tunnel zu kriechen – mit fatalen Folgen.

William Sutcliffe hat ein ungewöhnlich spannendes Buch für alle geschrieben, die mindestens so alt wie Joshua sind, also dreizehn. Obwohl wir eine Ahnung haben, wo die fiktive Siedlung Amarias liegt, nennt der Autor keine Orts- und Ländernamen und verzichtet auf Schuldzuweisungen und Propaganda. Mit Joshua machen wir die Konflikte des Erwachsenwerdens und der Abgrenzung zu seinem fanatischen Stiefvater durch und lernen mit ihm das Gefühl für Verantwortung und den Mut zu eigenen Entscheidungen kennen – subtiler kann ein politisches Jugendbuch nicht wirken.

 

William Sutcliffe – Auf der richtigen Seite, Rowohlt Rotfuchs - Leseprobe

Das Buch können Sie hier bestellen!

 

 

 

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