Dienstag, 04 Juni 2013 05:36

Die Scanner

Das Buch als Gefahr

Rob arbeitet als Scanner: Viele Leute lesen ja nicht mehr, aber wenn er doch mal jemanden entdeckt hat, kauft er ihm das Buch ab, scannt es mit seiner Brille, um es online zu veröffentlichen, das Buch geht dann an seinen Boss zur Entsorgung – alles wie gehabt. Unglaublich wird es, als er einen alten Mann trifft, der sein Buch gar nicht hergeben möchte. Als Rob daraufhin mit ihm ins Gespräch kommt, gerät er in die gefährlichen Kreise einer staatsfeindlichen Organisation mit dem bedrohlichen Namen

„Büchergilde“.

Wollen die Konzerne wirklich unser Bestes? Wie werden wir in Zukunft lesen? Wer ist mein Freund in sozialen Netzwerken?

Robert M. Sonntag reißt uns von 14 bis 114 alle vom PC weg und nimmt uns mit auf eine atemberaubende Reise in unsere Zukunft. Zurecht erinnert uns das an „Fahrenheit 451“ und „1984“, ist aber rasanter erzählt und wird wohl mindestens bis 2035 aktuell bleiben, oder? Das hängt von uns ab.

Robert M. Sonntag: Die Scanner, Fischer KJB

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Montag, 03 Juni 2013 06:14

Alles was ich bin

Unbekannte deutsche Geschichte 

Im hohen Alter erinnert sich Ruth in Australien an ihre Jugend in Deutschland: Ihre Kusine und beste Freundin Dora war Sekretärin und Gefährtin von Ernst Toller, sie hatte es geschafft, die Autobiographie des Dramatikers und Revolutionärs zu einer Zeit außer Landes zu schmuggeln, als seine Werke längst verboten und verbrannt worden sind. Nach der Machtübernahme der NSDAP leben Dora, Ruth und ihr Mann Hans im Londoner Exil und müssen feststellen, daß sich die Gestapo auf britischem Boden so frei bewegen kann wie sie. Wem kann man in der Widerstandszelle noch trauen?

Die australische Autorin Anna Funder, die mit ihrer brillianten DDR-Analyse „Stasiland“ eine ungeahnte Perspektive auf den ostdeutschen Überwachungsapparat eröffnet hatte, verblüfft nach jahrelanger Recherche wieder mit einem neuen Blick auf eine dunkle Zeit, von der wir schon alles zu wissen glaubten. Sämtliche Vorbehalte und Lesemüdigkeit angesichts der vermeintlich überdokumentierten deutschen Geschichte verschwinden beim Lesen der ersten Seiten der Romanbiographie von Ruth Blatt, Funders früherer Nachbarin.

Anna Funder: Alles was ich bin, S. Fischer Verlag 2014

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Montag, 03 Juni 2013 06:14

Geschichte für einen Augenblick

Supapawer!

Wie sieht heutzutage eine Flaschenpost aus? Vielleicht wie eine angeschwemmte Hello-Kitty-Brotbox? Die halbjapanische Autorin Ruth und ihr deutscher Mann Oliver finden die Dose am Strand ihrer kleinen kanadischen Insel: Sie enthält ein Tagebuch in japanischer Sprache im Einband von Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Interessiert beginnt Ruth mit der Lektüre und liest auch ihrem Mann aus der Handschrift vor.

Immer weiter werden die beiden in die Notizen der Jugendlichen Nao gezogen, die in den USA aufgewachsen ist. Unfreiwillig kehrt sie mit ihren Eltern nach Japan zurück, als der Vater seinen Job in einem Start-up-Unternehmen verliert.  

Nach diesem Scheitern kann die Familie sich in ihrer leistungsorientierten Heimat nicht mehr blicken lassen, nach einem Selbstmordversuch des Vaters muß eine Strafgebühr an die Bahngesellschaft gezahlt werden. Naos Schulalltag wird zunehmend bedrohlicher und absurder, mit Mühe verbirgt sie die blauen Flecken von den täglichen Schlägen ihrer Mitschüler. 

Zur Bestürzung von Ruth und Oliver häufen sich die Anzeichen, daß Nao ihr junges Leben beenden möchte, vorher möchte sie ihren ungeahnten Lesern aber die Biographie ihrer Urgroßmutter hinterlassen. Jiro ist nach dem gewaltsamen Tod ihres Sohnes als Kamikazefliegers ins Kloster gegangen, die nunmehr Hundertvierjährige hält aber per Mail und SMS Kontakt zu ihrer geliebten Urenkelin. 

Wie können die mitfühlenden kanadischen Leser von Naos Tagebuch – und damit auch wir – herausfinden, was aus ihr geworden ist? Was haben die Aufzeichnungen ihres in den Tod geflogenen Großvaters mit ihrem Leben zu tun? Wenn das Internet angeblich nicht vergißt, warum verblassen dann die wenigen Spuren ihrer Familie im Netz? 

Zwischen Zen und Quantenmechanik, dem Zweiten Weltkrieg und der Gegenwart nach Fukushima, im zwischen Tradition und Moderne zerrissenen Japan und der schrägen Aussteiger-Community einer kleinen kanadischen Insel bewegt sich dieser wilde und schöne Roman. 

Wer zurecht bedauert, daß diese Geschichte irgendwann zu Ende geht, findet etwas Trost in einem kleinen wissenschaftlichen Anhang, den uns die Autorin gönnt, von der wir zukünftig wohl alles lesen werden.

Ruth Ozeki: Geschichte für einen Augenblick, S. Fischer Verlag

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