Bird Box

Augen zu und durch!

Es gibt Urängste, mit denen jeder Mensch zu kämpfen hat. Die Angst vor dem Unbekannten spricht Autor Josh Malerman mit „Bird Box“ primär an, während die Angst vor der Dunkelheit zwar einfließt, aber paradoxerweise Schutz für die Protagonisten verspricht, denn nur mit geschlossenen Augen können sie sicher sein, nicht dem Wahnsinn zu verfallen, wenn sie … es … sehen.

„Bird Box“ spielt in einer Welt, in der eine Kiste mit Kanarienvögeln als Alarmanlage fungiert und Kinder zu Lauschapparaten abgerichtet werden, um dem Horror entgegentreten zu können.

Wie in anderen guten, fiktiven post-apokalyptischen Überlebensszenarien beginnt es auch bei „Bird Box“ mit merkwürdigen und grauenvollen Berichten aus Russland. Menschen gehen aufeinander los, zerfetzen sich das Gesicht und töten sich selbst auf bestialische und bildhaft beschriebene Weise. Internetforen verbreiten Videos von den Gräueltaten, es wird über die Echtheit diskutiert. Die Nachrichten greifen das Thema ebenfalls auf. Noch sind es Auslandsberichte, es passiert weit weg. Doch die Taten häufen sich, und es schwappt über den großen See überall hin, in jedes Land. Niemand ist dagegen gefeit. Außer diejenigen, die sich dazu entschließen, nicht mehr zu sehen – die die Welt außerhalb ihrer vier Wände ausblenden, indem sie mit Decken die Fenster verhängen und sich im Freien nur mit Augenbinde bewegen. Leute wie Malorie, die mit zwei vierjährigen Kindern abgeschirmt in einem Haus lebt und den Entschluss fasst, sich auf den Weg zu anderen Überlebenden zu machen.

Es sind keine schönen Landschaftsbeschreibungen, die der Leser von Malorie erhält. Stattdessen muss er sich mit furchteinflößenden Geräuschen auseinandersetzen. Alle Sinneseindrücke werden (von Malorie und dem Leser gleichermaßen) gefordert, nur nicht das Sehen. Auf gar keinen Fall das Sehen!

Während dieser blinden Reise auf einem Fluss erfahren wir immer mehr von Malorie, von dem Anfang des Wahnsinns, von den Auswüchsen, von den lieben Menschen, die sie kennen lernen durfte, und von den Menschen, die ihr Leben bedrohten. Blind mit zwei kleinen Kindern 20 Meilen einen Fluss entlangzufahren, ist ein unglaubliches Unterfangen, doch mit jedem neuen Rückblick kann man diese Entscheidung nachvollziehen. Man bangt mit ihnen und hofft, dass sie ihr Ziel schnell erreichen.

„Bird Box“ ist nicht detailverliebt, aber gerade das hätte dem Buch sehr geschadet. Es ist spannend geschrieben, lebt von den Ängsten der Protagonisten und der ständigen Verführung, über den Rand der Augenbinde blicken zu wollen.

Autor Josh Malerman ist in Michigan, USA geboren, lebt in Ferndale und ist Sänger und Songschreiber der Band „The High Strung“. Sein Roman „Bird Box“ wurde im Mai letzten Jahres in den USA veröffentlicht und erhielt überwiegend positive Kritiken. Das Einzige, was sich der Autor gefallen lassen muss, ist ein Vergleich mit dem Film „The Happening“ von M. Night Shyamalan. Parallelen sind da, wie das plötzliche Auftreten einer unbekannten Bedrohung, das Verrücktwerden bzw. die Selbsttötungen der Menschen und der Zusammenschluss mit völlig Fremden. Ich bin kein Freund von Vergleichen, aber an den Film musste ich mehr als einmal denken, was dem Buch und dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch tat.


Josh Malerman: Bird Box, penhaligon Leseprobe

Das Buch können Sie hier bestellen! 

Text: Eve

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